Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2009
Corvus Corax, die unumstrittenen Könige der Spielleute, haben nach ihrer fulminanten Premiere der Cantus Buranus I im August 2005 und zwei restlos ausverkauften Konzerten in der historischen Kulisse der Museumsinsel in Berlin nun eine Arena Produktion ihrer zweiten Beschäftigung mit dem Stoff, der Cantus Buranus II, gestartet und sich optisch und musikalisch noch einmal selbst übertroffen!
Gegen 19 Uhr strömen bereits die Besucher des zweiten Konzertes der Frühjahrsarenatour in München auf das Olympiagelände, um auch ja rechtzeitig zu dieser überall in der Stadt groß plakatierten Show zu kommen. Ich gebe zu, ich bin skeptisch gewesen, ob es denn Corvus schaffen würden, mit dieser doch mehr als speziellen Show genügend Fans und Crossover - Klassikliebhaber für sich gewinnen zu können, um damit die nicht gerade kleine Olympiahalle auszufüllen. Zumal billig waren die Eintrittskarten im Gegensatz zu den Karten für eine normale Corvus Corax Show nicht gerade, aber dieses Spektakel wollen sich dann doch knapp 4.000 Zuhörer nicht entgehen lassen. Ich nehme so langsam meinen Platz in den ersten zehn Reihen ein und warte mehr als gespannt auf das, was nun kommen möge. Auf der Bühne sind noch eine halbe Stunde vor Konzertbeginn die bis ins Detail ausgearbeiteten selbstgebauten Instrumente der Jungs aus Berlin zu bewundern. Das selbstgebaute Organistrum etwa, Harmann und Hatz Schlagwerkaufbauten und die mit Schalmeien gefüllten Körbe. Ich staune eher über die Lichtanlagen links und rechts, denn sie lassen erahnen, dass der visuelle Eindruck dieses von Gert Hof inszenierten Konzertes ein ganz immenser sein wird. Vier Scheinwerferreihen, darüber noch Lichtfelder, die in Reihe geschaltete Effekte erzeugen können - wir werden ganz sicher nicht kleckern sondern visuell klotzen, das wird immer klarer!
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Auf Mission fürs Mittelalter
Castus Rabensang, Gründer von Corvus Corax und Kaiser unter diesen selbsternannten "Königen der Spielleute", hat den Traum, auf Marco Polos Pfad die Seidenstraße musizierend zu bereisen. Gut, sagt er, der Auftritt seiner Berliner Mittelalter-Band bei der "Deutschlandpromenade" im chinesischen Kanton, einem von der Bundeskanzlerin geförderten Festival, sei ein Anfang. Oft schon habe er das Goethe-Institut um eine Kooperation ersucht, schließlich habe er die Mission, der Welt "ein anderes Bild von Deutschland" zu vermitteln, ein "nicht so bierernstes".
Dabei geht es kaum ernster. Der Anblick, der sich den 2000 Schaulustigen auf dem Tianhe-Platz bietet, hätte Dschingis Khan in die Flucht geschlagen: Eine Horde sinister blickender Kerle schreitet auf die Bühne, nackte Oberkörper unter priesterhaften Mänteln, einer trägt Teufelshörner, ein anderer hat sich einen toten, aufgeblähten Ziegenbock unter den Arm geklemmt, den Pfeifen daran entfährt ein schauerliches Kreischen. Mit wuchtigen Schlägen auf große Trommeln entfesseln Herrmann der Drescher und die anderen das Grollen des Krieges.
Corvus Corax meinen es ernst, sie wollen authentisch sein: Mit Jordan haben sie einen Mediävistiker in ihren Reihen, Wenustus Olere baut selbst alte Instrumente nach (Zinken, Bombarden, Trummscheite und ein Organistrum, die größte Drehleier der Welt), sie studieren Handschriften in Mittelhochdeutsch, Latein und Hochfranzösisch, für ihre Aufführung des Benediktbeurer Dichtungs-Schatzes "Carmina Burana" missachten sie die populäre Vorarbeit Orffs. Aus den 300 Texten wählten sie für ihr Opus "Cantus Buranus" Kneipenlieder, Philosophisches und Abergläubisches wie die Luzifer-Abwehr "Ingordin Ingordan" aus; in Kreuzvergleichen mit anderen Liederschriften rekonstruierten sie das Klangbild und komponierten moderne Orchesterstücke daraus.
Während sich die Mittelalterszene in München bei der Reihe "Musiqua Antiqua Viva" im intimen Rahmen des Spectaculum-Mundi-Saals verlustiert (am heutigen Samstag treten die Ur-Folk-Gruppen Wolkenstayn und Triskilian auf, am 24. April die Düster-Rocker Lacrimas Profundere, am 25. April die Elektro-Folker Valvravn), nehmen Corvus Corax heute Abend die Olympiahalle ein - mit Chor, dem Babelsberger Filmorchester, Gauklern, einer Operndiva mit einer Korona aus Pfauenfedern sowie einer Lichtshow, die ihnen Gert Hof inszeniert, Zeremonienmeister von Rammstein und der Millenniumsfeiern in Berlin und China. Sein Vorhaben: "Eine Axt aus Licht in die Felsen der Dunkelheit schlagen", um "in den Dunstkreis der Götter" zu gelangen. Das große Spektakel halt. Freunde vom Kaltenberger Ritterturnier (dort sind Corvus Corax die Hof-Kapelle) lockt das ebenso an wie Heavy-Metal-Fans, Gothic-Finsterlinge und Klassik-Extremisten. Wegen der auf Reisen gesammelten Klänge aus Osteuropa und Orient werden sie in den USA auch von Tribal-Dance-Fans geschätzt. Just dieses Deutschland-Bild von Spielleuten, die wie vor hunderten Jahren herumziehen und Kulturen verbinden, wollen sie vermitteln - auch in China, wo sie beim Festival einen Aufwand wie keine andere Band trieben und eine Woche lang mit örtlichen Musikern probten.
Bei der Frage, ob man auf diese Weise in China etwas bewegen könne, verweist Castus auf ihre kleine rebellische Aktion (ähnlich denen, für die sie dereinst in der DDR ab und zu im Knast saßen): Ohne Genehmigung packten sie in einem Park ihre Dudelsäcke aus und scharten sogleich zahlreiche Passanten um sich - sowie kantoneser Polizisten mit sehr mürrischen Mienen. Die ließen die Gummiknüppel stecken. "Früher hätten sie die Leute doch sofort auseinandergetrieben", sagt Castus, "also: Wir haben doch schon etwas bewegt." MICHAEL ZIRNSTEIN
Quelle: sueddeutsche.de
Stern.de „Hört, hört, liebe Leute! Es gibt noch andere Musik, als die im Radio und Musikfernsehen. Ein Genre, das seit Jahren ohne mediale Unterstützung wächst und gedeiht, ist die Musik der Mittelalterszene. Zu den erfolgreichsten Bands, die durch Instrumente wie Schalmeien, Rauschpfeifen, Drehleiern und vor allem dem Dudelsack altertümliche Hörerlebnisse schaffen, gehören die Berliner Corvus Corax. Ihr Standardrepertoire besteht vor allem aus krachenden Songs für Sackpfeifen und Trommeln, doch 2005 wagten sie sich erstmals an Werk mit Orchester: "Cantus Buranus" hieß ihre Neuvertonung von Liedern der mittelalterlichen Sammlung "Carmina Burana". Ja, daraus hatte Carl Orff auch schon einen Klassik-Gassenhauer gemacht. Nun haben die "Könige der Spielleute" für "Cantus Buranus II" weitere der lateinischen Texte vertont und aus mittelalterlichen Instrumenten, Orchester und Chor erneut einen gewaltigen Brocken geformt. Düsterer als der Vorgänger, treibender, und bombastischer bläst "Cantus Buranus II" den Hörer weg. Für flexible Freunde von Klassik und Filmsoundtracks ein guter Einstieg in dieses Musikgenre. Mittelalter-Musikfans singen sowieso "O fortuna"!“
Bewertung: 5 von 5 Sternen
RCN „... Die Kompositionen für Orchester, Chor und Corvus Corax sind wuchtig, einprägsam und filigran zugleich. Stoff, der auf Bayern 4 genauso wie auf dem Wacken Open Air laufen kann. Stoff, der bei den Hörern zur Entspannung, bei den Zuschauern zum gnadenlosen Abfeiern taugt. Typisch Corvus. Musik für Generationen, für alle Bevölkerungsschichten und jeden Geschmack. Einfach verbindend! Was soll man da noch sagen außer: Bravo! Verneigung vor den neuen Königen der Konzertsäle! Zugabe bitte!“
metalhammer.de „Ein Meisterwerk der Musik ist bei all dem herausgekommen, das durch seine ganz persönliche Note quer durch die Szenen Staub aufwirbeln wird.“
EMP „Viele der mittelalterlichen Texte sind heute genauso aktuell wie damals", sagt Dudelsackbläser Wim. Gemeint sind die Verse der Sammlung "Carmina Burana" aus dem 11. und 12. Jahrhundert, die Corvus Corax für "Cantus buranus II" einsetzen. Inhaltlich drehen sie sich um Themen wie etwa Lust und Sünde, Lüge und Schmeichelei, Tod und Teufel. Wie schon für ihr Debut "Cantus buranus" (2005) lassen die "Könige der Spielleute" die lateinischen Verse von Chören und Gesangsolisten singen. Zu den überraschend zeitgemäßen Inhalten komponierten sie ein Dutzend gewaltiger Lieder. Dieses Mal wählten sie das Filmorchester Babelsberg für den klassischen Teil ihrer imposanten Tonkunst, ferner wirkten Tenor Klaus Lothar Peters, die Sopranistin Ingeborg Schöpf, der Passionata Chor und natürlich die Spielmänner von Corvus Corax mit, die an Dudelsäcken, Drehleiern, Schalmeien und Trommeln zu Hochform auflaufen. Drei Beispiele: "Veritas simplex" gleicht einer donnernden Oper, die sich um die Stimme von Peters entfaltet. "Miser" basiert auf einem mittelalterlichen Rhythmus, zu dem ein mächtiger Chor loslegt. Am Beginn von "Quid agam" stehen gewaltige Trommeln, im Anschluss treffen mittelalterliche Melodien auf volle Orchester-Breitseiten. Immer wieder rufen die neuen Corvus-Corax-Werke dem Hörer Hollywood-Filmmusik a la "Star Wars" ins Gedächtnis. Im Vergleich zum Debut von 2005 haben die Berliner definitiv einen Gang hoch geschaltet. (Henning Richter / 30.06.2008)“
Melodie & Rhytmus „Die Kür in der Königsdisziplin, ...setzen ihr musikalisches Meisterwerk fort.
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